Alte Haudegen bewegungslos?

Dass wir vergreisen, ist hinlänglich bekannt. Auch in der Arbeitswelt, denn die schönen offenen Türen für die Frühverrentung haben sich in den letzten Jahren merklich verengt. Wohl oder übel gilt es jetzt für viele ältere arbeitende Menschen, bis zum bitteren Ende durchzuhalten. Es sei denn, sie fallen unter Nahles‘ kürzlich erlassenes Gnadenbrot-Gesetz für verdiente Arbeitnehmer.

Die Crux ist nur: Viele der älteren Kollegen haben sich in den langen Jahren ihrer Berufslaufbahn nach oben gehievt und sind in komfortablen Rollen – mit einem guten Salär und ziemlich viel Macht sowie Ansehen. Wenn ihr Unternehmen keine Lösung für sie findet, dann bleiben die Vertreter der ruhmreichen Babyboomer-Generation noch einige Jährchen auf ihren Posten. Da können die Jüngeren noch so mit den Füßen scharren.

Klar ist das nicht gut. Im Sinne der Pluralität – sorry: Diversität – wäre es nachgerade prima, wenn sich auf den Führungsebenen nicht nur eine homogene Generation tummeln würde, die sich über die Jahre hinweg langsam (oder schnell) von unten nach oben bewegt hat. Ähnlich sozialisiert und durch gleiche Bildungsinhalte geprägt. Sinn macht dies in dieser komplex-bunten Welt ganz sicher nicht.

Aber es wäre von den Babyboomern zu viel verlangt, wenn sie von sich aus abdanken würden. Macht ist bekanntlich sexy und zieht an. Daher ist dieser Weg kaum gangbar. Klar gibt es einige Ältere mit Weitblick, die aus eigenen Stücken abdanken und Jüngeren das Ruder übergeben. Aber gibt es ein triftiges Argument, wieso eine 58-Jährige Führungskraft, die weitere acht Jahre zu arbeiten hat und noch nicht genügend Geld auf dem Konto gescheffelt hat, von sich aus ins Glied zurücktritt.

Denn In solchen Fällen ist ihr Arbeitgeber schnell dabei, das Gehalt auf Normalmaß zurückzustufen. Gerade die Älteren wollen aber noch möglichst viel in ihre private wie gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Ganz zu schweigen von dem Gesichtsverlust in ihren Unternehmen, in denen immer noch  die am meisten zählen, die in der Hierarchie  oben stehen.

An der Demografie kommen wir nicht vorbei, selbst der alte Libuda nicht. Und bis auf weiteres auch nicht an den Babyboomern. Was wir dagegen tun können, mit vereinten Kräften: In Organisationen offen und partizipatorisch neue Karrieremuster entwickeln, die in diesem Fall auf die älteren Führungskräfte zielen. Was können Unternehmen anbieten, damit diese sich bewegen und in neue Rollen gehen? Die unter Hierarchieaspekten  uninteressant sind, aber ihnen vermitteln, dass ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre soziale Intelligenz im Umgang mit Menschen gefragt sind.

Leider fallen mir auf die Schnelle so gut wie keine Unternehmen ein, die sich hierzu tiefere Gedanken machen geschweige denn brauchbare Ansätze bieten. Offene Babyboomer gibt es auf der anderen Seite jedoch zur Genüge. Wenn sie eine Option erhielten, sich in den letzten Jahre ihrer Berufslaufbahn auf einer anderen Schiene zu bewegen – viele wären dabei. Nur fehlt vielen Unternehmen der Mut, Tabus zu brechen. So werden wir auch künftig lesen, dass Unternehmen ihren altgedienten Mitarbeitern weiter die altbekannten Vorruhestandsregelungen bieten. Phantasielos und trocken. Eine schlichte und billige Antwort auf die demografische Entwicklung.

 

Ein Gedanke zu “Alte Haudegen bewegungslos?

  1. Lieber Herr Schabel,
    zu Ihrem Post ` Alte Haudegen bewegungslos`.

    Ein Motivationsaufruf!

    Bewegung ist ein Begriff aus der Physik und bezieht sich dort auf Standort- / Lage- oder Orts-veränderung und hat somit mit dem Aufbringen, bzw. der Wirkung von Energie zu tun. Energie kann von außen auf die `alten Haudegen wirken oder als (innere) Antriebsenergie erzeugt werden. Ersteres soll für viele von den Unternehmen, der Organisationen, dem Staat etc. kommen und kennzeichnet sich durch eine gewisse `Trägheit` in der Eigenverantwortung und im selbstbestimmten Handeln.
    Nur Geduld, Geduld, und nochmals Geduld und dann wird diese ´äußerer Energie` schon aufgebracht werden. Unternehmen agieren und gestalten wenn sie Umsatz und Profit machen wollen, Organisationen agieren und gestalten wenn Sie unter Druck geraten, der Staat agiert und gestaltet wenn die ihn tragenden Parteien (wieder) gewählt werden wollen. Bis eine deutlich spürbare Veränderung in Wirtschaft und Gesellschaft feststellbar ist kann das somit noch etwas dauern.

    Haben die `alten Haudegen` diese Zeit, sollen sie diese Geduld aufbringen und warten?
    Die Babyboomer, sofern sie noch in den Betrieben unterwegs sind, sind heute
    um die 60 Jahre alt. Die Lebenserwartung dieser Altersgruppe liegt bei den Männern bei ca. 78 und bei Frauen bei ca. 84 Jahren. (Quelle: StatBuAmt).
    Nun nehmen wir mal an, dass ein `Standard-Arbeitnehmer`, der 45 Jahre in die Sozialkassen (viel Geld ) eingezahlt hat das sinnvolle `Nahles-Angebot` annimmt und mit 63 seinen Ausstand feiert. Andere folgen den vermeintlich wohlgemeinten Ratschlägen interessierter Kreise und arbeiten bis 67, 69, oder gar 70.
    Einfaches mathematische Rechnen aber nicht einfaches Beantworten der Frage
    nach der verbleibenden Zeit und schon gar nicht nach deren sinnhafter Ausfüllung.
    (Sinn…da war doch noch was…? Oder gibt es das nur bei der Generation Y, die ja angeblich so intensiv dem `Sinn am Arbeitsplatz` hinterherherjagt?)

    Also, was ist aktuell zu tun um die `alten Haudegen` zu bewegen?

    Wir widmen uns hier mal – ohne die Maslowsche Bedürfnispyramide zu stressen – der oben genannten inneren Antriebsenergie.
    Antrieb hat etwas mit `treiben` zu tun. Treiben kann man sich lassen oder man kann sich selbst antreiben. Mir geht es hier um den `Selbstantrieb`, um die Selbst-Motivation, letztlich um das Handeln und Gestalten aus eigener Kraft.
    Alle die von Ihnen in dem Post genannten Punkte sind richtig und spielen eine Rolle. Geld, Status, Macht, Komfortzone, Status Q sind mächtige Motivatoren und wirken in vielen Fällen auf die Babyboomer und tragen – genauso wie die innovativen Modelle in den Betrieben – zu deren `Bewegungslosigkeit` bei.
    Allerdings gibt es derzeit auch andere – auch masive aber eher schädlicherer – Wirkmechanismen auf die `Grauhaarigen` in den Betrieben:
    Ein immer schneller drehendes `Hamsterrad`, Jugendkult als Wert an sich, Druck von unten, Kostendruck auf die höheren Gehälter, fehlende Wertschätzung, in Hinblick auf Menschenzentrierung unfähige Führungskräfte, Werteverfall, u. a. zeigen ebenfalls ihre Wirkung und hinterlassen ihre Spuren, z. B. bei den krankheitsbedingten Ausfalltagen, beim versteckten Drogenkonsum und – nicht zuletzt – bei den negativen Entwicklungen in Familien und Gesellschaft.
    Also, was ist im Sinne der innerer Antriebsquelle zu tun bis die von Ihnen zu Recht geforderte `Phantasie und Innovation` in den Unternehmen greift?

    • Die `alten Hasen` sollten Ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre Sozial-, Kommunikations-und Gestaltungs-kompetenz auch für die notwendigen innerbetrieblichen Veränderungsprozesse einsetzten.
    • Die Babyboomer sollten Generativität praktizieren und die anderen drei Generationen (Z, Y. X) in den Betrieben als `Verbündete in gemeinsamer Sache` anerkennen, Generationenkonflikte strikt vermeiden und auf wertschöpfende Zusammenarbeit setzen.
    • Die `alten Haudegen` sollten die heute schon vorhandenen betrieblichen Angebote (z. B. Weiterbildung, Gesundheitsmanagement, Sabbaticals, flexible Arbeitszeiten etc,) aktiv nutzen und dafür werben.
    • Und das Wichtigste von allem: Selbstbewusst bleiben, nicht in die innere Emigration fallen und ständig signalisieren, dass es ihre Leistung war die das Fundament für die wirtschaftlichen Erfolge der jüngeren Generationen in Gegenwart gelegt hat.

    …..und bis es dann soweit ist und Phantasie, Innovation und die Freiwilligkeit der Entscheidung zum ` gehen oder stehen ` ermöglicht ist, kann man sich ja an ein Zitat von Ingeborg Bachmann halten:

    `Man muss wissen wann man aufhört, aufhören ist Stärke, keine Schwäche`

    Werner Dielmann am 08.05.2015

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