Der Euro und die Krise: Verwirrung mit Sinn, aber ohne Verstand!?

Ganz ehrlich: Blicken Sie noch, was in der Eurokrise wirklich abgeht? Ich lese täglich drei überregionale Tageszeitungen und die dort vertretenen Meinungen von vermeintlich profunden Kennern und Weisen machen mich nicht klüger, sondern schlicht ratlos. Wer auf der Suche nach Sinn ist, findet ein Schwadronieren oder Spekulieren, das ich mich frage: Reden die Akteure überhaupt vom gleichen Thema?

So behaupten einige, Deutschland als Exportnation schlechthin habe durch die Einheitswährung am meisten profitiert. Stimme gar nicht, mutmaßen andere, es handle sich um ein Nullsummenspiel. Oder wenn Griechenland aus Euroland abdanke, breche die ganze Währungsunion per Dominoeffekt auseinander. Der Einspruch: Wenn Griechenland rausfliege, habe der Rest die Chance, sich wieder zu konsolidieren. Und wissen Sie, welche neue Bank oder bankähnliches Konstrukt gerade nach einem der unzähligen Eurogipfel etabliert wurde und schon nach einigen Wochen andere Aufgaben erhält. Ganz zu schweigen, welchen Part die EZB in dem ganzen Kuddelmuddel spielt?

Wenigstens helfen uns Etikettierungen weiter!?  Wie immer J. Beziehungsweise die ideologische Grundfärbung der Weisen. Verzeihen Sie jetzt das etwas Holzschnittartige, es dient rein der Vereinfachung: Bei den Ordoliberalen – das sind diejenigen, die meinen, der Markt und dessen unsichtbare Hand regele alles bestens ohne den bösen Staat – sollte Griechenland hochkant rausfliegen aus der Eurozone. Am besten schon 2008. Die gesunden ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Und bei dem Gegenflügel, den Keynesianern, heißt es: Mehr Staat und Regulierung, mehr Stütze auch für marode Haushalte. Wenn der Markt versagt, was oft so oft, hilft die gute, sichtbare Hand des Staats.

Schön und gut, aber hilft uns dies weiter? Wir nicht Gefärbten schweigen ob der wilden Spekulationen – egal aus welchem Lager. Lassen den Sturm von Käpt’n Ahab (Prof. Sinn) und Konsorten über uns ergehen. Ahnen, wie komplex die Finanzwelt ist, wie geldgierig, aber auch wie sensibel. Der berühmte Schmetterlingsflügelschlag, der einen Hurrikan auslöst. Genauso kann es sein, dass sich nach einem möglichen Auszug Griechenlands die Finanzmärkte beruhigen. Wir maßen uns nicht an zu wissen, was passiert in dieser vernetzten Welt, in der jetzt nicht nur der Markt, sondern auch der Staat und die Notenpresse ein Wort mitspielt. Und trösten uns damit, dass es niemand weiß, weil wir Neuland betreten. Auch die Professoren nicht, bei denen wir den Eindruck haben, je mehr sie palavern, umso weniger wissen sie wirklich. Nur Kluge wissen, dass sie besser ihren Mund halten, wenn sie keinen Check haben. Nur eines scheint gewiss, die schlichte mathematische Gleichung: wo Schuldner, da auch Gläubiger. Und ausgelöffelt wird die rote Suppe immer von uns Steuerzahlern. Sei es homöopathisch in kleinen Dosen oder radikal. Vielleicht geht es nur noch darum.

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