Generation Y – “a class of it’s own”

Daher reißen sich viele um dieses kostbare Gut und investieren Millionen, um sie zu umgarnen. Wir reden (leider) nicht von den Babyboomern, sondern von der Generation Y, den Digital Natives oder wie sonst auch immer junge Menschen etikettiert werden, die vor allem eines drauf haben: das Modell und die Prinzipien des Internet rauf und runter zu deklinieren.

Damit nicht genug: Wir reden hier von einer jungen Generation, die anders tickt, anders denkt – und anders arbeiten möchte. Deren Ethik sich nicht um Disziplin und preußischen Gehorsam dreht oder so etwas wie Verantwortung. Sondern um coole Projekte, um Selbstverwirklichung. So zu arbeiten, wie es mir am besten in den Kram passt – dies scheint der Glaubenssatz der Generation Y zu sein, in der sich vieles dreht, vor allem um die eigene Achse. Die Amerikaner drücken dies vornehmer aus, wie ich kürzlich las: self-centered work ethics.

Nicht dass sie jetzt denken, als klassischer Babyboomer finde ich eine solche Haltung verwerflich. Mitnichten. Jede Generation interagiert in viele Richtungen mit der Gesellschaft, die sie umgibt. Das prägt und sorgt dafür, dass eine Generation bestimmte Muster und Verhaltensweisen aufweist. Doch lassen wir den soziologisch-historischen Diskurs. Vielmehr interessiert mich die Frage, was dies für unsere Arbeitswelt bedeutet: eine Generation, die erst einmal an sich denkt und in zweiter Linie an ihren Arbeitgeber, mit dem sie einen Vertrag hat, der übrigens meist Rechte und Pflichten regelt. Für beide Seiten.

Verträge sind jedoch nur das eine. Interessanter wird es für die Kultur in Unternehmen: Wie geht ein disziplinierter Babyboomer, der treu-deutsch tagtäglich zur Arbeit geht und durch seine Eltern noch eine ungefähre Ahnung hat, wie Deutschland anno 1945 aussah, mit Menschen um, die Work-Life-Balance für sich selbst buchstabieren. Die auf Projekte abfahren, die cool sind und ihnen was geben, aber dagegen Dinge, die nicht hip sind, links liegen lassen? Das klingt schwierig und ist es auch. Für beide Generationen und diejenigen, die dazwischen liegen, wie die Golf-Generation.

Was nun? Was tun! Klaro. Und das heißt wie immer Kommunikation, Kommunikation und nochmals Kommunikation. Austauschen, nicht abtauchen und auf die andere Seite zeigen. Diversity ist doch – das haben wir gelernt – bereichernd, erst recht für Generationen. Große Aufgabe, in der Führung gefragt ist, die diesen Abgleich moderiert, Spielregeln aufsetzt und sich bemüht, für alle Beteiligten eine dritte Form zu erzeugen, in der die Werte und Muster der Generationen aufgehoben sind. Für uns Babyboomer hieße es, mal fünf gerade sein zu lassen, die Enge unseres eigenen Weltbilds zu verlassen. Und für unsere Generation Y zu sehen, dass Arbeit nicht nur Fun ist, sondern auch anpacken und schaffen bedeutet. Nicht nur Kür, sondern auch Pflicht.

Im Übrigen ist es für Babyboomer beruhigend zu sehen: Sie sind noch gefragt und wer weiß, vielleicht sind sie ja in Kürze die Gefragten. Mittlerweile gibt es mehr und mehr Unternehmen, welche die Bewerber 45+ gezielt adressierten. Weil wir Organisationen mit unserem Pflichtgefühl und Arbeitsethos Halt geben, Planken bilden in der fluiden Welt der allzeit strömenden Projekte. Oder um ein altes Wort zu verwenden: Sicherheit, welch kostbares Gut.

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